Neue Leitung im Zentrum Eckstein

Am 1. April 2018 war Schlüsselübergabe im Begegnungs- und Bildungszentrum Eckstein: Nach 12 Jahren wechselt die bisherige Geschäftsführerin Gertraud Wachmann nach Wien. Ihre Nachfolgerin Katharine Zepf, ein weitgereistes Multitalent, freut sich auf die Weiterentwicklung der Eckstein-Vision als Drehscheibe des Dialogs. Die beiden Powerfrauen halten Rückblick und Ausblick.

Tschüss Gertraud Wachmann

12 Jahre lang haben Sie am Zentrum Eckstein gearbeitet, 10 Jahre in der Leitung – was hat sich in dieser Zeit getan und wofür steht es heute? 

Als ich 2006 anfing, waren wir ein kleines Team, das sich vor allem um die Veranstaltungen der Fokolar-Bewegung kümmerte, der das Haus gehört. Heute sind wir ein Konferenz- und Hotelbetrieb: Zimmer, Sitzungsräume und Tagungssäle wurden topmodern umgebaut und wir haben viel in die Technik, Gastronomie und Prozessoptimierung investiert, damit auch externe Gruppen und Firmen bei uns professionelle Services vorfinden. So konnten wir nicht nur unsere Auslastung verbessern, sondern wurden durch viele neue Begegnungen bereichert.

Es gibt zig Tagungshäuser – was macht das Zentrum Eckstein besonders? 

Das Ziel der Fokolar-Bewegung – und damit auch unser Credo – ist es, im Geist der Geschwisterlichkeit zu leben und zu arbeiten. Wir möchten jeder Person mit Herzlichkeit begegnen und den offenen Dialog mit allen Menschen fördern. Das sind keine leeren Slogans. Wir bemühen uns hier wirklich, alle Beziehungen so zu gestalten: nicht nur mit Gästen, Kunden und Geschäftspartnern, sondern zuallererst im Team. Hinter den Kulissen ist es ja meistens am schwierigsten, aber genau da setzen wir an und beziehen alle Mitarbeitenden mit ein. Natürlich gibt es auch Konflikte, das ist ganz normal. Aber die nehmen wir als «Sprungbrett» und geben unser Bestes, um sie im gegenseitigen Respekt zu lösen. Und ich finde, dieses Klima macht uns schon besonders.

Was war Ihr grösstes Highlight?

Die Erfahrung, dass jede noch so kleine Geste ungeahnte Auswirkungen haben kann. Vor einigen Jahren las ich z.B. in der Lokalzeitung von einer Person, die trotz verzweifelter Suche keinen Ort fand für ihre ehrenamtlichen Deutschkurse für Asylsuchende. Da griff ich zum Hörer und bot ihr einen unserer Räume an. Inzwischen finden diese Kurse mehrmals wöchentlich bei uns statt und sind gut besucht. Nun ist daraus ein Verein mit über 100 Freiwilligen entstanden. Später dankte mir diese Person für dieses unverhoffte Angebot. Gerade als sie aufgeben wollte, sei mein Anruf gekommen. Diese Erfahrung hat mich sehr berührt und mir einmal mehr aufgezeigt, wie sehr wir alle verbunden und füreinander wichtig sind. 

Und was war Ihre grösste Herausforderung? 

Das Anspruchsvollste war wohl, den Veränderungsprozess «vom Vereinshaus zum Hotel» in den Köpfen der Menschen anzukurbeln und zu begleiten. Einige langjährige Besucher fühlten sich nicht mehr gleich zuhause und anfangs waren auch nicht alle Mitarbeitenden gleich begeistert. Aber jeder Mentalitätswechsel braucht Zeit und Zwischenschritte. Meine Nachfolgerin bringt viel Erfahrung in diesem Bereich mit und das ideale zwischenmenschliche Rüstzeug dazu.

Welches besondere Erlebnis hat Sie nicht nur als Chefin, sondern auch als Mensch berührt?

Wir beschäftigen und begleiten auch 1-2 Lernende. Beim Abschiedsessen unserer letzten Auszubildenden entstand ein sehr langes, tiefes Gespräch, bei dem sie uns ihre ganze, schmerzliche Lebensgeschichte anvertraute. Doch die Arbeit mit uns habe ihr Leben erhellt, sagte sie, und die Lernjahre seien die schönsten ihres Lebens geworden. Sie habe so viel mitgenommen und – obwohl wir ein christlich geprägtes Haus sind – auch ihren muslimischen Glauben besser kennengelernt. Ich war sprachlos! Gewiss sprechen wir oft von Geschwisterlichkeit und Dialog und versuchen das auch zu leben, aber dass dadurch jemand wirklich die schönste Erfahrung ihres Lebens machen durfte, das war schlicht überwältigend.

Welche persönliche Erinnerung nehmen Sie mit? 

Ich gehe sehr bereichert von hier weg, denn so ein Tagungszentrum ist eine Drehscheibe: Nirgendwo sonst lernt man so viele Menschen aus aller Welt kennen und kommt mit so vielen ins Gespräch. Als ich jeweils an der Réception aushalf, berührte mich immer am meisten, wie viele Leute ein offenes Ohr suchen und einen Moment echter Begegnung schätzen.

Sie sind Österreicherin und ziehen nun wieder nach Wien – worauf freuen Sie sich? 

Ich bin sehr gespannt, was mich erwartet. Ich war nun fast 20 Jahre weg aus meinem Heimatland und Wien hat sich gewiss sehr verändert. Aber Gutes bleibt gut und so freue ich mich schon sehr auf meinen ersten Besuch bei einem richtigen «Heurigen».

 

Willkommen Katharine Zepf

Wer ist Katharine Zepf?

Gute Frage! Ich bin immer wieder neu dabei, es selbst zu entdecken. Ich bin viel herumgekommen und habe durch die Arbeit in verschiedensten Branchen gemerkt, dass ich mich für vieles begeistern kann, denn ich tue alles mit Leidenschaft und bringe mich als ganze Person ein, mit Haut und Haar. Aber hier ein paar bodenständigen Fakten: Ich bin 1974 in Stuttgart geboren und hauptsächlich dort aufgewachsen. Von der Grundausbildung her bin ich Japanologin, habe einen MBA (Master of Business Administration) absolviert und dann in der Telekommunikationsbranche und im Maschinenbau gearbeitet. Zuletzt habe ich in Wien das Marketing des dialog.hotel.wien Am Spiegeln geleitet, das ebenfalls ein Tagungszentrum der Fokolar-Bewegung ist.

Wie war Ihre Landung in der Schweiz?

In meiner Kindheit waren wir oft in der Region, so fühle ich mich mit den hiesigen Dialekten sehr wohl. Aber ich liebe kulturelle Vielfalt ganz generell, das wurde mir schon in die Wiege gelegt: Meine Mutter ist Engländerin, mein Vater Schwabe, meine Verwandten leben in Australien, Brasilien, Kanada und Südafrika. Ich selbst habe schon in Deutschland, den USA, Japan, Italien und der Westschweiz gelebt. Bei solchen Umzügen braucht es erfahrungsgemäss einfach immer etwas Zeit, sich geographisch neu zu orientieren, sprachlich anzupassen und neue Beziehung zu knüpfen. Aber bei den Menschen fühle ich mich schon ganz heimisch hier.

Welche Erfahrungen aus Ihrer Arbeit am Wiener Tagungszentrum bringen Sie mit?

Auf meinem Lebensweg habe ich gelernt, offen und ohne Scheu auf Menschen zuzugehen, ihnen zuzuhören und ihre Erfahrungen anzunehmen. Diese Offenheit hilft in der Touristik ungemein – und war auch schon die Basis für meine Marketingarbeit im Wiener Hotel. Ebenso möchte ich nun im Zentrum Eckstein vorgehen. Das Kostbare an diesen Betrieben der Fokolar-Bewegung ist für mich, die Prinzipien der Wirtschaft in Gemeinschaft in die tägliche Arbeit einzubringen und diese auch nach aussen zu leben und zu kommunizieren.  Es geht uns also nicht primär um Profit, obwohl natürlich auch wir rentabel wirtschaften müssen. Aber unsere erste Priorität sind tragende Beziehungen als wichtigste Grundlage für all unser Handeln.

Welche Vision haben Sie für das Zentrum Eckstein?

Das Haus und sein Team möchte offene Türen und Herzen haben für Menschen und Gruppen verschiedenster Couleur. Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Derzeit bin ich noch dabei, die Situation und die Menschen kennen, verstehen und schätzen zu lernen. Gemeinsam mit ihnen möchte ich die Grundvision der Offenheit und des Dialogs weiterentwickeln, für künftige Bedürfnisse ausformulieren und verwirklichen. Darauf und auf die vielen neuen Kontakte freue ich mich echt!